Eltern-"Abende"
Quelle: Lernende Schule 10/2000

In Gesprächen mit Lehrerinnen und Lehrern erfahre ich häufig Folgendes:
Das Thema "Elternabend" wird von ihnen dann angesprochen, wenn sie als Mütter oder Väter "in der Bank", d.h. "auf der anderen Seite" sitzen. Da wird dann oft kaum ein gutes Haar an den Elternabenden gelassen: langweilig, formal, vergeudete Zeit ... Grund genug also, sich über die Gestaltung von Elternabenden Gedanken zu machen!

Klärung

Was bedeutet für Sie der Elternabend?

  1. notwendiges Übel, weil...
  2. lästige Pflicht, weil ...
  3. wichtiger Termin, weil...
  4. erfreuliche Kür, weil ...
Ihre eigene Motivation bestimmt die Art der Gestaltung von Elternabenden! Und Ihre entsprechende "Stimmung" kommt garantiert zu den Eltern "rüber"! Also: Einstellung klären und ggf. ändern, um professionell handeln zu können!

Einladung
  1. Bitte entscheiden, wer einlädt: Normalerweise laden die Elternvertreter ein - meist mit Unterstützung/Hilfe der Klassenlehrerin/des Klassenlehrers.
  2. Bitte "recht freundlich": Der Einladungsbrief soll im wahrsten Sinn des Wortes -"ansprechend und einladend" sein, eine ausgewogene Mischung aus persönlicher Note, Sachinformationen und "Programm" (Inhalt und Verlauf des Abends)


Zeit, Ort, Raum
  1. Zeit: Es muss nicht immer 20 Uhr sein; im Fernsehprogramm blättern: Welcher Wochentag ist ungünstig (Fußball, Krimi ... ), welcher ist günstig? (Nicht vergessen: auch das voraussichtliche Ende angeben!)
  2. Ort: Ich plädiere für die Schule: Der Elternabend ist eine schulische Veranstaltung! (Die "Kneipe um die Ecke" kann hinterher besucht werden.)
  3. Raum: Das Klassenzimmer, in dem die Kinder der Eltern unterrichtet werden. Sie sollen ihn kennen lernen und wissen, wo - und in welcher räumlichen Atmosphäre - ihre Kinder arbeiten.

Gestaltung/Sitzordnung
  1. Gestaltung: Es macht einen "sehr günstigen" Eindruck, wenn die Eltern auf Stühlen für Erstklässler sitzen (das ist so richtig bequem); wenn sie die Stühle von den Bänken herunternehmen "dürfen" (man kommt in Bewegung); wenn die Tafel voll geschrieben ist (Abwischen erinnert an die eigene Schulzeit); wenn der Boden mit Papierfetzen übersät ist (Eltern erleben dann das "kreative Chaos' ihrer Kinder); wenn ...
  2. Sitzordnung: Entweder ist die Anordnung der Bänke und Tische so wie im Alltag der Schülerinnen und Schüler: Dann wissen die Eltern Bescheid - und erfahren vielleicht auch, an welchem Platz ihre Kinder sitzen. Oder: Die Anordnung ist "kommunikativ": Hufeisenform, Sitzkreis ...

Begrüßung/Vorstellung

Normalerweise begrüßt die oder der Elternvorsitzende; anschließend stellen sich die anwesenden Lehrerinnen und Lehrer vor, wenn möglich mit einer Mischung aus "persönlichen und beruflichen Daten"; anschließend wird das "Programm" des Abends bekannt gegeben.

Kennenlernen

Die Palette der Gefühle reicht von "peinlich" über "skeptisch" bis "neugierig" und "erwünscht", wenn es um Vorstellungsmodalitäten geht. Deshalb: Vorsicht und Feinfühligkeit! Wenn es sich um den Erstkontakt handelt (l. Klasse, weiterführende Schulen) ist eine Vorstellungs-/Kennenlernrunde sehr wichtig. Bitte erkundigen Sie sich über Ihr "Eltern-Klientel": gemischt, Schichtzugehörigkeit, Anteil nicht-deutscher Eltern ... Nicht für jede Gruppe eignen sich die gleichen Vorstellungsarten (verbal, zeichnerisch/bildhaft, spielerisch ...)

Informationen


Überlegen Sie bitte:

  1. Worüber können im Vorfeld bereits schriftlich die Eltern informiert werden?
  2. Welche Informationen sind für die Eltern unerlässlich/wichtig? (z. B.: Noten, Versetzung, Berufsberatung, Schulwechsel u. Ä.)
  3. Wer informiert: Elternvertreter/in, Lehrer/in, Schulleiter/in ... ?
  4. Wie methodenreich wird die Informationsphase gestaltet? (nur verbal ... oder auch visuell ... Folien, Plakate)

Wahl der Elternvertreter

Hier ist "alles möglich" - aber nicht immer alles erlaubt:
  1. Erkundigen Sie sich bitte über die Vorschriften zur Wahl der Elternvertreter
  2. Durchführung je nach Vorschrift
  3. Wenn es keine Vorschrift gibt, dann nach Vereinbarung mit den Eltern: offen per Handhebung, geheim schriftlich, mehrere Durchgänge ...

Einblicke
  1. Geben Sie Einblick in den Lern-Alltag der Kinder:
    • Schulhaus, Gänge, Unterrichtsräume, Klassenraum, Sitzplatz ...
    • Ausstellung von Schülerarbeiten, Vorzeigen von Materialien
    • Vorstellung verschiedener Unterrichtsformen
  2. Arbeiten Sie mit den Eltern:
    • Wie ist das, wenn sie wieder auf der Schulbank sitzen?
    • Wenn sie allein oder mit andern arbeiten?
    • Wenn sie Erfolge/Misserfolge haben?
    • Wenn sie "aufgerufen" oder "ermahnt" werden, an der Tafel stehen ... ?
    • Weiche Erinnerungen werden bei ihnen wach? (angenehme, unangenehme)
Erfahrungen machen und informiert werden erhöht das Verständnis für die Schule, minimiert "Klagelieder" und fördert das Miteinander von Elternhaus und Schule.

Themen

Eruieren Sie Themen, die für die Eltern - und für Sie von Bedeutung sind:

  1. schriftlich im Vorfeld durch Befragung
  2. schriftlich oder mündlich am Elternabend (im Plenum oder in Gruppen)
  3. Erstellen Sie eine Rangordnung nach Dringlichkeit
  4. Vereinbaren Sie gemeinsame Termine und Themen
  5. Entscheiden Sie, wer für welche Themen fachlich zuständig ist: Lehrerinnen und Lehrer, Schulleitung, Elternvertreter, andere Experten
Gespräche
Beachten und unterscheiden Sie bitte:
  1. Das Plenum ist der Ort für Informationsvermittlung, für Rückfragen und Klärung, Abstimmung und Vereinbarungen ...
  2. Gruppen sind der Ort für Austausch von Erfahrungen, Diskussion und Aufarbeitung, Interaktionen, Herstellung von Materialien etc. (Im Plenum von 20 bis 30 Personen kann nicht diskutiert werden: zu hoch ist der Zuhöranteil, zu gering der Redeanteil "... und dann reden sowieso nur die, die schon immer reden ...")
  3. Sehr sinnvoll (und praktikabel) ist die sog. "visualisierte Kommunikation" (Meta-Plan-Technik), durch die eine größere Anzahl von Personen mittels beschrifteter Karten und deren Präsentation miteinander ins Gespräch kommen.
Verlauf

Achten Sie bitte darauf, dass der Elternabend - von meist 2 Stunden Dauer - ebenso eine "didaktische Struktur" aufweist wie ein (guter) Unterricht; z. B:
Einleitung, Aufgabenstellung und Klärung im Plenum, Arbeit in Kleingruppen, Rückmeldung und Präsentation im Plenum, ggf. "Gesprächsinseln" im Klassenzimmer, wieder Plenum (Mitteilungen aus den Gruppen, Zusammenfassung), Abschluss (Vereinbarungen ... )
Es ist Abschied zu nehmen von Elternabenden, die aus langen Lehrermonologen, Dauerstatements einiger weniger und "Zweistunden-Sitzen-Zuhören" bestehen.

Konflikte

Konflikte zwischen Eltern- und Lehrerschaft nicht im Rahmen von Elternabenden lösen. Die Gefahr der Frontenbildung und Tribunalisierung ist zu groß. Mit 30 Personen kann man nicht diskutieren geschweige denn konstruktive Konfliktgespräche führen. Deshalb:

  1. Konflikte (sei es, dass sie außerhalb oder während der Elternabenden entstehen) an den Elternabenden selbst "nur" ansprechen und die Bereitschaft zur Lösung anbieten
  2. Eltern bitten, einige - wenige - Vertreterinnen bzw. Vertreter zu wählen, die sich an der unmittelbaren Lösung beteiligen und einen geeigneten Termin vereinbaren
  3. Konfliktgespräch(e) durchführen (ggf. einen Vermittler hinzuziehen) und am nächsten Elternabend die Anwesenden über die Ergebnisse informieren
Wirkliche Lösungen ergeben sich nur durch intensive Gespräche in Kleingruppen.

Protokoll

Auf jeden Fall ein kurzes Protokoll anfertigen: Zum einen als "Erinnerungszeichen" und zum anderen als Nachweis, falls Beschwerden, Klagen o. a. kommen.

Pausen

  1. Siehe "Verlauf"
  2. Pausen haben nicht nur Verschnauf- und Erholungscharakter, sondern sie sind wichtig für informellen Austausch: In Zweier- oder Dreiergesprächen fühlen sich manche besser in der Lage, sich zu äußern als im Plenum
Getränke/Speisen
  1. Siehe auch "Ausklang"
  2. Pausengetränke (wenn finanziell und ohne großen Aufwand möglich): Ja!
Kurze Wege

Manchmal sind, zusätzlich zu den bereits terminierten Elternabenden, Zusammenkünfte notwendig (wichtige Informationen bekannt geben, Vorfälle besprechen, rasch Entscheidungen treffen ... ) Deshalb ist es wichtig, kurze Kontaktwege zu vereinbaren:

  1. normalerweise Briefe an die Eltern über deren Kinder
  2. Adressenliste (nach Zustimmung aller!) den Eltern geben
  3. Vereinbarung: wer verständigt in dringenden Fällen (per Telephon/Fax) wen?
Ende


Es besteht (mindestens) aus zwei Phasen:

  1. aus einer sog. Feedback-Runde, in der jede(r) noch zu Wort kommen kann (freiwillig; nur wer möchte!):
    • Was ich sachlich noch klären will
    • Wie es mir geht
    • Was ich sonst noch sagen möchte
  2. aus einer "offiziellen Verabschiedung", z. B. durch Worte der Vorsitzenden, oder Lehrerinnen bzw. Lehrer; durch Musik, Dias, Filmausschnitt, Spiel oder Darbietung durch Schülerinnen und Schüler ...
Ausklang

Inoffiziell: Wer möchte sich noch in der "Kneipe nebenan" treffen?

"Schlusspunkt"

Bitte nicht vergessen: Das Klassenzimmer wieder so "aufbereiten" wie es vorher war: Das Hauspersonal und die Schülerinnen und Schüler, die am nächsten Tag das Zimmer benutzen, danken es Ihnen!

Sonstiges

Notieren Sie, was Sie noch für wichtig erachten!