Quelle: Dr.
Angelika Klasska
Kleiner Knigge für Elternvertreter und solche, die es werden wollen
Bei den meisten Wahlversammlungen, die ich gesehen habe, war es kein
Kunststück, zum Elternvertreter gewählt zu werden. Je älter die Schülerinnen
und Schüler werden, desto geringer ist die Bereitschaft zu kandidieren,
und desto größer die "Gefahr", das Amt zu kriegen, sobald
man nur mit dem Finger zuckt. Diese und andere Beobachtungen in den
letzten Jahren haben mich veranlasst, meine ganz persönlichen Tipps zu
verfassen.
- Das Recht der Elternvertreter, in der Schule
mitzuwirken, haben viele Generationen vor uns vermisst! Wir sollten
es nicht leichtfertig verschenken!
- Wenn du Lust hast zu kandidieren, sag es offen.
Überlege dir aber gut, welche Einschränkungen du machen willst
(Zeit, Mitstreiter, Aufgaben).
- Kandidiere nicht um deinem Kind einen Vorteil
zu verschaffen, etwa weil du dann die Lehrer besser kennst. (Das
geht beim Tennis oder ähnlichen Gelegenheiten viel unauffälliger.)
- Kandidiere nicht, weil es so spannend ist, die
Zeugnisse aller Kinder zu sehen, bevor sie verteilt werden. (Du
musst dein Wissen ohnehin für dich behalten.)
- Kandidiere auch, wenn du befürchtest, dein
Kind könnte Nachteile haben. (Diese Angst ist in den allermeisten Fällen
unbegründet.)
- Wenn du gewählt bist, verlasse dich nicht
darauf, dass schon was passieren wird. (Das tun die anderen
ebenfalls.)
- Bringe deine Ideen ins Spiel. Suche den Kontakt
zu den anderen Elternvertretern und Eltern der Klasse und der
Schule. (Die meisten sind froh, wenn sich einer traut.)
- Klagen von Eltern "stimmen" immer,
sind aber genauso sicher einseitig gefärbt. Höre erst gut zu,
frage genau nach und bewahre die Ruhe. (Manchmal reicht die
Aufregung der betroffenen Eltern für zwei.)
- Besprich offen, was du tun wirst und lass dich
nicht zu Handlungen drängen, die du nicht in aller Ruhe überlegt
hast. (Das meiste Porzellan geht in Scherben, weil jemand zu hastig
war.)
- Nimm nicht jeden Wunsch als Auftrag an. Verärgerte
Eltern sollten auch den Mut entwickeln, selbst das Gespräch mit dem
Lehrer zu suchen. (Hilfe zur Selbsthilfe ist auch hier sinnvoll.)
- Sei verschwiegen, aber lass dich nicht auf
Mauscheleien und Gerüchte ein.
- Frage den beteiligten Lehrer bzw. die
beteiligte Lehrerin nach ihrer Geschichte, bevor du sie mit deinen Wünschen
konfrontierst. (Auch in der Schule haben Medaillen zwei Seiten.)
- Vermeide Tribunale, wenn es Konflikte zwischen
mehreren Eltern und einer Lehrerin bzw. einem Lehrer gibt.
Gesammelte Wünsche der Lehrerin bzw. dem Lehrer im kleinen Kreis
vorzutragen und Absprachen zur Abhilfe zu treffen, ist oft
erfolgversprechender. (Wer humanen Umgang mit den Kindern fordert,
sollte ihn Lehrerinnen und Lehrern gegenüber selbstverständlich
pflegen.)
- Habe deine Rechte im Kopf, aber nicht ständig
das Gesetz unter dem Arm. ("Mit dem Kopf durch die Wand",
ist ein kurzer, aber selten erfolgreicher Weg.)
- Denke immer daran, dass es darum geht die
Arbeitssituation für die Schülerinnen und Schüler zu verbessern.
(Dafür ist es relativ gleichgültig, welches Parteibuch in deiner
Tasche steckt.)
- Lasse dich nicht auf ein Gespräch über die
Missetaten deines Kindes ein, wenn du im Auftrag der Eltern Kritik
vorträgst. Lasse dir dafür einen separaten Termin geben. (Wohlüberlegte
Kritik wird nicht unberechtigt, nur weil das eigene Kind keine
Hausaufgaben macht.)
- Suche doch auch mal das Gespräch, wenn etwas
Erfreuliches passiert ist. (Nicht nur Kinder wollen gelobt sein!)
- Benutze dein Kind nicht als bequemen Boten und
nicht als Spion. (Nicht dein Kind hat ein Amt übernommen, sondern
du und Spione sind selten beliebt.)
- Freue dich über jeden klitzekleinen Erfolg,
den du hast!
- Fang an!
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